![]() Marlon Brando
![]() James Dean
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Dabei kennt das T-Shirt zwei Spielarten. Der Ursprung des T-Shirts in der Jugendkultur kommt ohne semiotische Penetranz daher. Marlon Brando prägte in „The Wild One“ einen Look, in dem neben Jeans, Motorrad und Lederjacke das weiße T-Shirt in seiner minimalistischen Klarheit ein „sharp image“ konstruierte. Schon in dem weniger jugendkultur-geprägten Film „Endstation Sehnsucht“ machte Brando das zerrissene T-Shirt zum ultimativ sexien Kleidungsstück. Von Brando inspiriert war es dann der schwule Hipster James Dean, der den Look aus Jeans, T-Shirt und Bomberjacke weltweit popularisierte.
Aus dem ehemaligen Unterhemd wurde ein Oberhemd, das entsprechend lässig daherkam. Die Mods nutzten das T-Shirt mit Aufdruck und ohne, die Skinheads etablierten das weiße T-Shirt als Teil ihrer Uniform aus Jeans, Jeansjacke und Springerstiefel. Skinheads waren die saubersten Stilisten. Ihr Entwurf einer Uniform für Working-Class-Jugendliche sollte eine Identität stiften, deren Klarheit und Präzision jeden Zweifel an ihrer Herkunft unmöglich machte: „Eine Art Karikatur des vorbildlichen Arbeiters“, wie der Semiotiker Dick Hebdige es nannte. Ihre kurz geschorenen Haare, ihre Levi's Jeans und die einfachen Hosenträger, die Polos oder T-Shirts bilden das zum Klischee gewordene Erscheinungsbild der Skinheads, das diese der Öffentlichkeit angeboten haben, ohne aber darin in Wirklichkeit aufzugehen. Die Kleidung der Skinheads war nicht nur hochgradig stilrein, sondern auch funktional. Nach Kämpfen konnten sie leicht gewaschen werden und waren nicht teuer. Die glatz- und hohlköpfigen Neo-Skins, die keine Ahnung von der multikulturellen Ursprungskultur der britischen Skindheads kennen, verzieren die T-Shirts mit dumpfem rechtem Müll. Die modisch relevanteste Überarbeitung des T-Shirt-Konzeptes fand im Punk statt. Der Legende nach wurde der Sänger der Sex Pistols Johnny Lydon aka. Johnny Rotten wegen eines T-Shirts entdeckt. Als Lydon 1975 mit einem selbstgemalten „I hate Pink Floyd“-T-Shirt die King’s-Road in London herunterlief wurde er von Bernie Rhodes angesprochen und noch am selben Abend von Malcolm McLaren für ein Band-Projekt engagiert. McLaren, der ehemalige Situationist, war begeistert von dem jungen Mann, der ein Hippie-T-Shirt von Pink Floyd mit einem einfachen „I hate“ umdrehte und dekontextualisierte. Johnny Rotten blieb als Sänger der Sex Pistols auch Schöpfer seiner eigenen Modewelt. Er zerschnitt selbst die avantgardistischen Entwürfe von Vivienne Westwood um seinem Begehren nach Dekonstruktion freien Lauf zu lassen. Das Zerrissene wurde bemalt und/oder mit Sicherheitsnadeln zusammengehalten. Rotten fügte dem T-Shirt zu, was in der Malerei Lucio Fontana der Leinwand angetan hatte. Er entdeckt im T-Shirt die dritte Dimension. Was folgte waren ebenso virtuose wie poetische Interpretationen des T-Shirts im Punk. In Nachtclubs wurde man damals nur mit Krawatte reingelassen und Rotten trug eine, aber ohne Hemd. Sid Vicious band sich einen Schnürsenkel als Krawatte um und kam rein. Es war eine Frage der Form, etwas, das in England nie aus der Mode kam. |



