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Faces & Spaces mit Alexander Gnaedinger

03.02.2010, 17.08

Faces & Spaces with Alexander Gnaedinger

Die heutige Ausgabe von Faces & Spaces beginnen wir ausnahmsweise mal mit einem Zitat: „Weil die Zeit sich so beeilt und nur so wenig bleibt, von dem was einmal war.“ Olli Schulz besingt in seinem Song wehmütig zurückblickend die Vergänglichkeit all dessen, was uns wichtig ist. Alexander Gnädinger hingegen konserviert ungeschönte Ästhetik für die Ewigkeit.

Der Berliner Fotograf stemmt sich gegen die Uniformierung platter Schönheit, gegen das mediale Ideal des Perfekten, gegen Makellosigkeit – in seinem aktuellen Bildband 100 girls on Polaroid zeigt er fern ab von Glamour und Retusche natürlich schöne Frauen und viel nackte Haut. Die Aufnahmen des in Süddeutschland geborenen Künstlers sind körnig, teilweise gelbstichig und überbelichtet – mit voller Absicht. Kleine Fehler ergeben das große Ganze. Das Besondere. Das charmant Schöne. Eben genau das, was Gnädingers Werke so anders, aber vor allem so angenehm echt macht.

Ein Mensch, dessen ständiger Begleiter die Sofortbildkamera ist, scheint wohl niemals zur Ruhe zu kommen. Der 40jährige spart sich lange Entwicklungszeiten, ist ständig unterwegs. Aber auch ein Alexander Gnädinger braucht einen Ort, an dem er Kraft und Ideen für neue Projekte sammeln kann. Und was wäre da wohl besser geeignet, als das eigene Studio? Klare Linien, puristische Formen, helle Farben. Keine Spur von verlebt milchiger Sofortbild-Optik. Perfektionismus bis ins kleinste Detail. Wir sind überrascht, Herr Gnädinger!

Mit uns spricht der passionierte Weltenbummler über kleinwüchsige Peruaner und das Glück, auf der Welt zu sein.

Das ganze Interview und alle Bilder vom Besuch in Gnädingers Kreativschmiede gibt´s nach dem Jump!

ASV: Alex, an welchen Projekten arbeitest du gerade? Was werden wir in nächster Zeit von dir hören?

Alex: An der Verbindung zwischen Photographie und filmischer Bewegung. Und daran, authentische Schönheit als Wert wiederzufinden.

ASV: Was machst du als erstes, wenn du morgens aufstehst?

Alex: Mich über das Glück freuen, mich jeden Morgen wieder auf dieser Welt wiederzufinden.

ASV: Was war der verrückteste, blödeste Job, den du je ausgeübt hast?

Alex: Ich weiß nicht was schlimmer war: Die Fotos eines kleingewachsenen Peruaners, der nackt in meinem alten Studio aufm Tisch stand, oder dafür nie bezahlt worden zu sein… Was man nicht alles während des Studiums macht um nicht mehr kellnern zu müssen  - das war wohl meine traumatisierendste freie Arbeit ever.

ASV: Was würdest du heute machen, wenn du nicht Fotograf geworden wärst?

Alex: Kellnern. Oder mich schmerzfrei auf den Tisch stellen.

ASV: Welcher war der interessanteste Ort, an dem du je Fotos gemacht hast?

Alex: Interessanteste Momente sind zahllos, Orte auch. Vielleicht Beautyfotos in den türkis leuchtenden Höhlen des Yucatans.

Das olympische Birdsnest in Beijing – hochsicherheitsmässig bewacht, mit einer Schachtel roter Zigaretten die Soldaten zu bestechen und mich noch vor dessen Eröffnung darin fotografierend wiederzufinden.

Einen aktiven grummelnden lavaspeienden Vulkan nachts im heißen Vulkanwasserpool im kühlenden Regen sitzend mit Hilfe der Blitze die gleichzeitig die Landschaft Costa Ricas erhellen zu fotografieren.

ASV: Wen würdest gerne mal vor die Kamera bekommen?

Alex: Meine Eltern.

ASV: 5 Orte auf einer Weltreise – wo machst du Halt und warum?

1.Tel Aviv- die perfekte Stadt- reale brökelnde Bauhausarchitektur-perfekter Strand mitten in der Stadt-die intensiv lebenden Menschen dort.

2.Dubai als schlechtes Beispiel für alles.

3.zurück zu Käptain Babu und mit seinem Hausboot durch die Kackwaters in Kerala Südindien

4.und zu Papa Butu und mit seinem fischerboot um Lembongan fahrend und tauchend Farbe neu entdecken danach im Sonnenuntergang zwanzig reife Mangos essen. Bis Bauch aua.

5.die im urwaldverwachsenen vergessenen Tempel in Kambotscha. Sonnenaufgang in ankor wat in siem riep.

5.Varanasi. Und dort Nachts am Gat auf einem Dach zu indian Musik tanzen, während die Scheiterhaufen am Ganges brennen.

und dann den sonnenaufgang erleben

Aber eigentlich mag ich keine Weltreisen. Das nach Hause kommen macht das Reisen doch erst komplett.

ASV: 5 Dinge, die in deinem Kühlschrank nicht fehlen dürfen?

Alex: Ein Huhn für den Römertopf sitzt neben dem Schwarzwälderkirschwasser, Eier, Marillenmarmelade von Staud. Und im Winter Karameleis. Und Wildblume-, Gryerzer, Gerghüttenkäse.

Und nee, sonst nichts.

ASV: 5 Dinge die du an Berlin liebst…

…die Entwicklung der Stadt so intensiv zu erleben.

..und dass ich inspiriert von den städtischen Brachen Pläne mache und träume. dDss gutes Essen wichtiger wird. Dass Berlin einer der wenigen Orte auf der Welt ist in der Gewinnmaximierung nicht das höchste Ziel zu sein scheint.  Vieles was innovativ ist und Freude macht geschieht aus einer Leidenschaft heraus und nicht der Kohle wegen.

ASV: 5 Menschen, die du bewunderst?

Alex: Generell Menschen, die Dankbarkeit und Glück empfinden, obwohl es an manchem mangeln mag.

ASV: Wie kannst du nach einem stressigen Arbeitstag am besten entspannen oder dich ablenken?

Alex: Mit meinem Team- was sich eher wie Familie anfühlt- mit essen, trinken, mit Sigi&Roy chillen und am besten am Strand, auf einem Dach, im Studio oder im Garten.

ASV: Du scheinst ja eher eine nette und ausgeglichene Person zu sein. Was bringt Alexander Gnädinger auf die Palme?

Alex: Vielleicht wenn jemand sagt “nett” oder “no go”.

Und an mir meine Ungeduld.

ASV: Wo treffen wir dich  in 10 Jahren?

Alex: Das kommt ja ein bisschen auch auf euch an,ne?

Also, ich wäre irgendwo zwischen Berlin, Ostsee, New York und Bodensee und manchmal auf Reisen mit der family.

ASV: Wen würdest du gerne bei Faces N’ Spaces sehen?

Alex: Thomas Demand

Tina Berning

Maroc

Swetlana Heger

Daniel Richter

Karl Lagerfeld

Olafur Eliason

Boros, den Bunker aber auch die Wohnung!

Danke, Alex!

Fotos: Robert Wunsch, Text: Nike van Dinther

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6 Kommentare
  1. Ich mag die Nr. 5!

  2. krish:

    Hört sich sehr sympatisch an!

    Danke für den Beitrag!

  3. GINGER:

    hammer typ und das mit abstand coolste interview! danke!

  4. “ASV: Wen würdest gerne mal vor die Kamera bekommen? Alex: Meine Eltern.” :-)

    Schöne Bilder

  5. Nadi Nada:

    TRAUMHAFT! ICH FINDS TOLL!

  6. Step:

    Sigi&Roy, ja ja die Zauberer …

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