Faces & Spaces mit Alex Flach


Alex Flach by Robert Wunsch 34LoRes Faces & Spaces mit Alex Flach

Wir befinden uns in der Torstraße, es stürmt und schneit und alles sieht ziemlich trostlos aus. Dann gehen wir durch eine noch trostloser aussehende, alte, angemalte, zerschrammelte Haustür und hoch durch ein typisches Berliner Altbau-Treppenhaus, abgenutzt und muffig riechend. Oben wird uns eine Tür geöffnet und kaum treten wir über die Schwelle, ist die Trostlosigkeit auch schon wieder wie weggeblasen und wir finden uns in einer der wohl schönsten Wohnungen wieder, die wir auf unseren bisheriegen Faces & Spaces Exkursionen gesehen haben!

Der Fotograf und passionierte Skateboarder Alex Flach öffnet uns mit einem herzlichen Lächeln und trägt eine dick gefütterte Mütze, die er mit dem Spruch „Ich muss unbedingt zum Friseur“ rechtfertigt – ein Typ, den man einfach gern haben muss. Und ein Typ mit ziemlich viel Geschmack (bzw. einer Freundin mit ziemlich viel Geschmack, wie uns das Alex erklärt). Wenn man sich in seiner Altbau-Wohnung, in die er mit seiner ihr vor gar nicht allzu langer Zeit eingzogen ist, umschaut, findet man einen stimmigen Mix aus Antiquitäten, klaren Formen und liebevollen Details. Frische Blumen stehen auf dem Tisch, eine ganze Wand wird eingenommen von Zeitschriften und Bildbänden und auf einer Kommode reihen sich Fotos von Katzen neben anderen, interessanten Kleinigkeiten – wo man auch hinschaut: Man kann sich einfach nicht sattsehen!

Gerade erst hat Alex Flach zusammen mit seinem Freund Andreas Hesse Civilist eröffnet – ein Mix aus Shop, Galerie und Showroom. Außerdem bereichert er Monat für Monat das Lodown Magazin mit seinen Fotografien, begleitet regelmäßig das Nike SB Team auf seinen Reisen und hat 2008 mit „Berlin Calling“ seinen ersten Bildband veröffentlicht. Dazwischen ist dann aber doch noch Zeit für einen kleinen Umzug gewesen und nach nur wenigen Wochen hat er zusammen mit seiner Freundin eine sanierungsbedürftige Berliner Altbau-Wohnung in ein gemütliches Zuhause mit Charakter verwandelt. Sein Tipp für coole und günstige Möbel: Haushaltsauflösungen! Wenn unsere Wohnung dann genauso chic aussieht, werden wir das auf jeden Fall mal ausprobieren.

Wir haben uns ein bisschen zu Hause bei Alex Flach umgeschaut und erfahren im Interview, wie man auf die Idee kommt sich einen Schinken einzurahmen, was genau hinter Civilist steckt und wo er sich gerne mal in tighter Badehose von den Klippen stürzen würde.

Das ganze Interview und die Bilder vom Hausbesuch bei Alex Flach seht ihr nach dem Jump!

ASV: Wie bist du zur Fotografie gekommen?

Alex: Das passierte eigentlich eher zufällig. Es war irgendwann 1995, als ich mir zum ersten Mal die Kamera eines Bekannten meiner Mutter geliehen hab. Da gab es auch nicht wirklich irgendwelche Hintergedanken. Ich wollte einfach nur ein paar Fotos von meinen Kumpels machen. Wir waren damals so etwa sieben, acht Skateboarder, die den ganzen Tag immer quer durch Berlin geskated sind… und das wollte ich damals mit der Kamera einfangen.
Und so hat sich das dann halt nach und nach entwickelt. Irgendwann habe ich mir dann meine erste eigene Kamera geholt. Ich weiß nicht, ob das im Unterbewusstsein schon vorher irgendeine Rolle spielte, aber ich hab mir schon lange davor immer meine Lieblings-Skatefotos aus der Transworld Skateboading oder der Thrasher ausgeschnitten und sie einfach so separat gesammelt. Das waren meistens Fotos von Spike Jonze oder Daniel Harold Sturt. Demnach hat das eventuell alles schon vorher angefangen, das mit dem Interesse zur Fotografie.

ASV: Was wärest du geworden, wenn nicht Fotograf?

Alex: Puhh…. schwere Frage! Denn damals gab es eigentlich nichts außer Skaten für mich. Folglich kann man sagen, dass ich echt total happy darüber bin, dass ich mir damals die Kamera geliehen habe. Wo ich gelandet wäre ohne diese Erfahrung, ist schwer zu sagen. Vielleicht irgendetwas anderes im Skateboarding-Bereich, vielleicht im Einzelhandel. Womit sich ja dann der Kreis wieder ein wenig schließt, da ich ja heute einen eigenen Laden mit meinem Freund Hesse betreibe. Und wenn es ganz anders gekommen wäre, hätte ich vielleicht in der Gastronomie gearbeitet, da meine Eltern beide in diesem Bereich selbständig waren.

ASV: Welche Motive fotografierst du am liebsten?

Alex: Definitiv Menschen…natürlich jetzt nicht einfach in der Fußgängerzone in der Wilmersdorferstrasse, sonder eher Leute, die mich interessieren. Dabei geht es dann nicht unbedingt darum, dass es ein bekannter Künstler sein muss oder so. Es muss einfach eine interessante Person sein. Egal was diese dann macht und tut. Sicherlich gibt es auch andere Motive, die mich immer wieder mal begeistern bzw. die mich ansprechen und das kann dann auch gerne mal ein Stillleben sein. Du wirst mich jetzt aber nicht mit einer Kamera in den Straßen rumlaufen und irgendwelche Dinge knipsen sehen. Es muss dann schon eher was spezielles sein…Den Rest erledigen ja die ca. 300.000 “Digi-Fotografen”  in der Stadt.

ASV: Du bist ja als Fotograf schon viel in der Welt herumgekommen – Welche Orte haben dich nachhaltig beeindruckt, welche Momente wirst du nie vergessen?

Alex: Puhh… was für Fragen. Wenn du jetzt hier sitzen würdest, könnte ich dir zwei Stunden was erzählen, da ich das aber selber schreiben muss, mal schauen. Also ganz klar auf der Liste waren alle bisherigen NIKE SB Touren nach Tokyo, Kairo, Kapstadt und Dubai. Wobei es dabei nicht in jedem Fall um den jeweiligen Ort geht, sondern mehr um die Momente, die man auf solchen Touren erlebt. Am beeindruckendsten war aber definitiv die Reise mit meiner Freundin nach Thailand. Wir lebten auf einer einsame Insel mit super Essen, vielen Tieren und nur fünf Stunden Strom am Tag. Außer uns gab es nur acht andere Gäste. Der Name der Insel ist… nein, den verrate ich hier jetzt nicht. Sonst entwickelt es sich wie bei “The Beach” und eines Tages wird die Insel überflutet von ekeligen Touristen!

ASV: Wann warst du das letzte Mal im Kino und was hast du dir angeschaut?

Alex: Das ist noch gar nicht so lange her. Spike Jonze´s “Where the wild Things are”… war ganz nice. Aber viel lieber wollte ich eigentlich in Zombieland. Davon hat mir ein Freund schon Ausschnitte gezeigt und das war de Wahnsinn. Der lief auch gerade noch neulich im Sony Center im Original. Unbedingt anschauen!

ASV: Du hast einmal bei einer Ausstellung ein Bild gezeigt, das aus unzähligen, nichtgeöffneten, an dich adressierten Mahnschreiben bestand. Was ist daraus geworden und ist schon ein 2. Teil in Arbeit?

Alex: Haha…ein 2. Teil!! Ich hoffe nicht! Klar bekomme ich immer noch ab und zu Strafzettel, ich sammel diese aber nicht mehr für einen 2. Teil. Die Arbeit, wenn man sie so nennen mag, steht im Moment bei der Pool Gallery. Ich warte eigentlich die ganze Zeit auf einen Anruf vom Polizeipräsidenten und der Frage, ob er dieses Werk vielleicht ins Polizei Headquarter hängen darf, quasi so als Erinnerung an seinen engsten Brieffreund.

ASV: Erzähl uns doch kurz, was hinter dem Store-/ Galleriekonzept von Civilist steckt?

Alex: Unser Konzept besteht eigentlich darin, all das zu machen, was uns Spaß macht und zu zeigen was uns interessiert. Das heißt vor allem aber Abwechslung zu schaffen, um unsere Kunden, Freunde etc. immer wieder hierher zu bewegen. Im Moment läuft ja gerade unser Shop und dieser wird dann immer wieder mit anderen Events bespielt. Letzte Woche hatten wir zum Beispiel einen KEINEMUSIK Record Release Abend hier im Store. Die Woche darauf war es der Lodown NO. 70 Release Launch. Darüber hinaus werden wir aber auch richtige Ausstellungen zeigen und dafür den gesamten Store leerräumen inklusive aller Möbel etc. Das heißt, dass die Ausstellungen für sich stehen sollen und nicht einfach so zwischen unsere Produkte gehängt  werden. Der Grund dafür ist ganz einfach. Wir wollen auch als richtige Gallery funktionieren und nicht nur so eine Instore-Geschichte daraus machen und es als Marketingtool nutzen, um mehr von unseren Produkte zu verkaufen. Darüber hinaus steht dahinter auch ganz klar der Netzwerkgedanke. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie das früher war, als wir damals alle noch geskated sind und uns immer bei California Sports getroffen haben, um Skatevideos zu schauen und dann skaten zu gehen. Der Shop war damals so etwas wie unser Meetingpoint und wir haben wahnsinnig viel Zeit dort verbracht. Jetzt ist es mal an der Zeit, davon etwas zurückzugeben und unseren Freunden etc. auch eine solche Plattform zu bieten. Einen Spot, wo sie hinkommen können, um ein Bierchen zu trinken und abzuhängen. Deshalb wird es auch immer wieder Events geben wie eben diesen mit KEINEMUSIK oder anderen Berliner Locals – ob das nun ein Label ist oder eine Klamotten-Firma oder auch mal einen Buch Launch, whatever. Einfach um sich gegenseitig zu supporten. Was auch ganz gut mit der Auswahl der Brands zusammenpasst, die wir hier im Laden verkaufen. Denn am Ende sind die Leute hinter den Brands alles Leute, die wir kennen und mit denen wir schon recht lange zu tun haben, sei es durch die Verbindung zum Lodown und meinen zig Reisen für Interviews und Fotos oder durch unseren Backgound durch das Skaten. Deshalb liegt unser Fokus auch auf diesen Brands und einer langen, intensiven Zusammenarbeit.

ASV: Wie teilst du deine Zeit auf zwischen Fotografieren und Civilist? Wo liegt zur Zeit dein Schwerpunkt?

Alex: Im Augenblick liegt der Schwerpunkt definitiv beim Civilist Store. Ist aber auch ganz normal, wenn man so ein Shop/Gallery-Projekt startet. Sobald das ganze dann aber läuft und sich alles so eingespielt hat, geht´s auch wieder mehr ans Fotografieren. Was nicht heißt, dass ich zur Zeit gar nicht fotografiere, es ist halt einfach nur etwas weniger im Moment.

ASV: Wie ist es mal auf der anderen Seite zu stehen, nicht der zu sein, der ausstellt, sondern selbst Künstler auszuwählen und nach welchen Kriterien gehst du da vor?

Alex: Ich muss sagen, dass das zwar nicht ganz so cool ist wie selbst auszustellen, aber trotzdem wahnsinnig viel Spaß macht. Gerade wenn man sich die Künstler selbst aussuchen kann, so lange sie denn Lust und Zeit haben. Was teilweise auch echt stressig ist, weil die Künstler einfach mal eben zwei Wochen ihre Mails nicht beantworten oder plötzlich absolut nicht erreichbar sind. Was das ganze auch immer ein wenig nervenaufreibend gestaltet, da solche Geschichten ja auch längerfristig geplant werden müssen. Was die Auswahl betrifft, ist es eigentlich ganz einfach: Entweder sind es Künstler, die ich schon kenne, oder sie sind befreundet mit Leuten, die ich kenne. Manche von denen, die wir hier ausstellen wollen, habe ich selbst schon fotografiert und bin dann einfach mit ihnen in Kontakt geblieben. Das ist im Endeffekt wieder ein Resultat meiner vielen Reisen. Besonders nach L.A. und New York, weil diese Städte einfach wahnsinnig gut vernetzt sind und einem dort immer wieder neue, interessante Leute vorgestellt werden.

ASV: Woher nimmst du deine Inspiration?

Alex: Aus jenem und diesem… das wechselt eigentlich ständig. Mal ist es ein bestimmtes Lied zum Beispiel. Das läuft dann meistens so ab, dass ich dieses bestimmte Lied tausendmal hören muss. Immer und immer wieder. Ist besonders für meine Mitmenschen ein bisschen anstrengend, tausendmal dasselbe Lied zu hören. Ich muss sagen, dass mich grade bei Musik besonders die älteren Sachen inspirieren, wie z.B. Ted Nugent oder Led Zeppelin oder auch Alan Parsons Projekt. Manchmal sind es auch bestimmte Fotos, die ich entweder zufällig sehe oder bei einer Ausstellung oder in einem Magazin oder so. Ganz wichtig sind auch Reisen. Ich finde es immer unglaublich gut, aus Berlin weg zukommen! Ich bin dann aber bei meiner Rückkehr auch wieder immer total happy und freue mich über jede kleinste Veränderung hier in der Stadt! Und dann gibt es da natürlich auch noch bestimmte Leute, die mich inspirieren, Freunde und auch immer wieder mal den ein oder andere Künstler/Skateboarder, den ich so treffe.

ASV: Wie kommt man auf die Idee einen Schinken zu rahmen und sich an die Wand zu hängen?

Alex: Damit ich mir jeden Tag anschauen kann, was mir am besten schmeckt. Nämlich Fleisch! Nee, aber mal im Ernst. Den Schinken habe ich mir mal vor zwei Jahren bei einem Job in Barcelona gekauft und er war natürlich dafür vorgesehen, irgendwann in meinem Magen zu landen. Dann ist er aber liegen geblieben und irgendwann auch mal im Schrank verschwunden, bis ich ihn wieder rausgeholt hab, um ihn zu rahmen. Kein Angst, der ist jetzt weder verschimmelt, noch riecht er. Das ganze Teil ist Vakuum verpackt und sieht nach zwei Jahren exakt genauso aus wie am ersten Tag! Warum Rahmen? Weil es einfach gut aussieht, der hat so eine coole Farbe und Struktur. Es ist auch lustig mit anzusehen, wie Leute darauf reagieren, da man es ja von weitem nicht sofort erkennt!

ASV: Was hören wir 2010 noch von dir und was wünschst du dir für das laufende Jahr?

Alex: Meine erste eigene Platte… ein Duett mit Dieter Hallervorden! Mal schauen, was sich so entwickelt. Einmal in Hinsicht auf unseren Store/Gallery, für den ich grade an den Vorbereitungen für drei Ausstellung arbeite, welche alle noch dieses Jahr stattfinden sollen. Was bei mir auf der fotografischen Seite passieren wird, wird sich darin zeigen, wie viel Zeit ich dafür finde. Geplant ist definitiv ein neues Buch und 1-2 Ausstellungen im Ausland. Ich arbeite grade an einer Idee für meine Ausstellung in New York und habe da zum Glück einen richtig guten Partner, der mich supporten will bei der ganzen Geschichte. Ich will jetzt aber nicht zu viel verraten, nur soviel, dass es in New York für diesen Bereich eine Person gibt, an der man nicht vorbei kommt. Außerdem werde ich dieses Jahr noch ein Buchprojekt für Etnies beenden. An dem Projekt arbeite ich schon recht lange und nächstes Jahr wird Etnies 25 Jahre alt und ich leite in diesem Rahmen das gesamte Buchprojekt. Aber das ist dann auch alles erst für 2011 geplant.

ASV: 5 Orte auf einer Weltreise – wo machst du Halt und warum?
Alex:
(1.) Die oben genannte Insel in Thailand, das warum, steht ebenfalls oben.
(2.) Acapulco in Mexico, weil ich schon immer mal Lust hatte, mich in einem tighten Höschen von den Klippen zu stürzen.
(3.) Was die restlichen drei Orte angeht, die kenne ich noch nicht, denn wenn ich ehrlich bin, finde ich es immer gut irgendwo hinzufliegen,
wo ich vorher noch nie war. Also kann ich die restlichen drei noch nicht nennen!

ASV: 5 Dinge, die in einem Kühlschrank nicht fehlen dürfen…
Alex:
(1.) Salami
(2.) Schinken
(3.) Dijon Senf
(4.) Salzige Butter
(5.) Cornichons

ASV: 5 Dinge, die du an Berlin liebst…
Alex:
(1.) Menzenhauer TV und Elektrohandel am Theodor-Heuss-Platz
(2.) Harry Lehmann / die wohl kleinste Parfumfabrik der Welt in der Kantstrasse
(3.) Die Friedhöfe
(4.) Den Bahlsen Factory-Outlet in Tempelhof
(5.) Die Ampelphasen am Rosenthaler Platz

ASV: Wo treffen wir Alex Flach in 10 Jahren?

Alex: In 10 Jahren auf jeden Fall in Berlin. Ich denke mal, dass es in 10 Jahren auch definitiv einen Mini Flach geben wird. Also ein Kind sollte es dann schon geben. Was die berufliche Seite angehen wird, hoffe ich, dass mein Kumpel Hesse und ich einen funktionierenden und super laufenden Store haben werden und darüber hinaus eine gut laufende Gallery…Was meine Fotografie angeht, wäre es schön, auf eine volle Vita zurückzublicken, die mit vielen Ausstellungen und vielen weiteren Büchern gefüllt ist.

ASV: Wen würdest du gerne bei Faces N’ Spaces sehen?

Alex: Jürgen Teller und Diego Maradona

Danke Alex!

Text: Elisa Rohe

Interview: Robert Wunsch

Fotos: Robert Wunsch

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