Faces & Spaces mit Miss Platnum


Miss Platnum by Robert Wunsch 39 Faces & Spaces mit Miss Platnum

Rot, Blau, Gelb. Hell, dunkel, hell, dunkel. Das Scheinwerferlicht hüpft in bunten Kreisen über die Bühne, auf und ab, bahnt sich seinen Weg zur kreischenden Menschenmasse. Tok, tok, tok. Das Schlagzeug setzt ein, wird immer schneller, vermischt sich donnernd mit dem dröhnenden Sound der Bläser. Pulsierender Clubsoul verwebt sich mit dem Rhythmus des Balkans, elektronische Klänge treffen auf eine klare, immer stärker werdende Stimme; hypnotisierend, vorantreibend und sanft zugleich.

Miss Platnums Musik mag anders sein, als der gewohnte Einheitsbrei der Popkulturblase – aber eins ist sicher: ihr aktuelles Album „The Sweetest Hangover“ ist ein multikultureller Partycocktail, der Lust auf durchtanzte Nächte auf nackten Füßen macht. Ihre Fakebling – Tour 2010 startet am 25.März – Tickets gibt´s hier. Wer bei diesen Beats stillhalten kann, muss am Boden festgewachsen sein.

Wenn die Bühnenbeleuchtung erlischt und der Konzertsaal sich leert, wird aus der bezaubernden Miss Platnum wieder Ruth. Genauer: Ruth Maria Renner – eine junge Frau, die früh lernen musste zu kämpfen. Um Respekt, um Anerkennung, um Freundschaft. Mit acht Jahren verlässt sie ihre Heimat Rumänien, ist mehr Flüchtling als Emigrant. Das Ziel: Westberlin. Hier geht sie zur Schule, schreibt Glanznoten und katapultiert sich damit geradewegs in die unliebsame Rolle der Streberin. Trost findet sie in der Musik. Sie nimmt Gesangsunterricht, arbeitet hart an ihrer Stimme. Jahrelang. Nach kleinen Erfolgen als Studio- und Backgroundsängerin kommt der große Fall: Ihr erstes Solo-Debüt floppt. Aber Ruth trägt ein Kämpferherz in sich. Vielleicht sogar zwei: ein rumänisches und ein deutsches. Beide schlagen im selben Takt, vermischen sich mehr und mehr und werden eins im Balkanbeat. Das Hauptstadtmädchen hat seine Nische gefunden. Ruth rappelt sich auf, arbeitet noch härter, nimmt ein neues Studioalbum auf. Ihr Fleiß zahlt sich aus: Aus dem ehemaligen Flüchtlingskind wird Miss Platnum. Heute steht die 30-jährige mit Peter Fox auf der Bühne und rockt die großen Festivalbühnen des Sommers.

Abseits von schrill-lauten Konzertabenden hat die Espresso-verliebte Kreuzbergerin uns einen Einblick in ihre ganz persönliche Wohlfühl-Oase gewährt. Wie es dort aussieht und weshalb Ruth fliegen kann, wann immer sie will, erfahrt ihr nach dem Jump!

ASV:  Deine größte Liebe ist…

Ruth: Musik und die Liebe selbst.

ASV: Im Alter von 8 Jahren kamst du von Rumänien nach Deutschland –  wo ist deine Heimat und in wiefern hat dich deine rumänische Herkunft
geprägt?

Ruth: Meine Heimat ist mittlerweile Berlin. Ich habe mich regelrecht in diese Stadt verliebt und habe manchmal das Gefühl eine Beziehung mit ihr eingegangen zu sein. Oft ist es eine Hass-Liebe und manchmal will ich einfach nur weg, aber dann stelle ich fest, dass ich hier nicht loskomme….Berlin ist fesselnd und einnehmend! Rumänien ist in meinem Herzen, in meinem Temperament, in meiner Küche,und in den Plastik-Schnapsflaschen, die mir meine Eltern immer mitbringen.

ASV: Du bist sehr bodenständig  – Wäre fliegen nicht auch manchmal schön?

Ruth: Ich lebe bodenständig, aber ich fliege immer in meinen Träumen. Und da ich einen Traumberuf habe, fliege ich ganz schön oft….

ASV: Was war dein größter Kindheitstraum und ist er in Erfüllung gegangen?

Ruth: Ich hab davon geträumt Sängerin zu werden……

ASV: Du hast bereits 3 Alben veröffentlich. Wie würdest du selbst deine Weiterentwicklung beschreiben?

Ruth: Ich bin gewachsen, mein Stil hat sich gefestigt. Ich breche nicht mehr halb zusammen, wenn ich ein Interview führen muss oder im Fernsehen bin. Ich weiß immer besser was ich will und was nicht und kann das auch artikulieren. Ich seh´ meine Weiterentwicklung nicht rein künstlerisch, ich habe mir was aufgebaut, einen kleinen Betrieb sozusagen mit einer Band, Management, Booking, Plattenfirma… Das muss man alles irgendwie unter einen Hut kriegen und dabei möglichst entspannt, kreativ und gerecht bleiben. Und ganz wichtig: Sich selbst treu bleiben und keinen Promoschwachsinn machen!!
Keine leichte aufgabe, aber wenn alles funktioniert und ich nach einem Konzert zufrieden feiern gehen kann, dann hat es sich so sehr gelohnt!!

ASV: Vorbilder sollen ja viel über den Charakter einer Person aussagen. Verrate uns doch bitte, wer deine Kindheitshelden waren….

Ruth: Ich hatte nicht wirklich welche..sagt das auch was über meinen Charakter aus?

ASV: Beim Designerama 2007 hast du für die musikalische Untermalung  gesorgt – wie wichtig ist dir Mode?

Ruth: Mode ist wichtig, weil es genauso ein Ausdrucksmittel sein kann wie Musik. Je mehr ich mich als Sängerin weiterentwickle, umso stilsicherer bin ich. Mir macht es sehr viel spaß Outfits zu kreieren, die meine Stimmung und meine Persönlichkeit ausdrücken. Wenn es mir gut geht kann man das ziemlich schnell an meinen Klamotten erkennen – auffallend, bunt, sexy,… und wenn es einer dieser tage ist an denen man nicht mal der Kassiererin in die Augen schauen kann, weil man zu introvertiert ist, dann brauch ich was unauffälliges, wo ich mich ein bißchen drin verstecken kann.

ASV:  Wie sieht der perfekte Tag im Leben der Ruth Maria Renner aus?

Ruth: Je nachdem was ich gerade brauche… wenn ich Ruhe brauche, dan bin ich gerne zu Hause, höre Musik, oder schau mir Filme an, einfach abhängen und nichts tun- ich kann sehr gut faul sein.
Wenn ich Action machen will, dann treffe ich mich gerne mit Freunden zu einem großen Essen und danach am besten noch weggehen oder bis in die Nacht Musik hören, tanzen, meinetwegen auch zu Hause-  es muss nicht der Überclub sein, hauptsache ich bin mit meinen Leuten unterwegs, dann ist es egal wo man feiert.

ASV: Wofür lohnt es sich zu kämpfen?

Ruth: Für die liebe,
für Freiheit,
für Gerechtigkeit,
für die eigenen Träume.

ASV: Was hören wir 2010 noch von dir und was wünscht du dir für das laufende Jahr?

Ruth: Ich werde sehr viel unterwegs sein dieses Jahr. Im März beginnt meine Tour durch Frankreich, Deutschland, Schweiz, Luxemburg ..und im Sommer bin ich in ganz Europa auf Festivals unterwegs.
Ich weiß noch nicht ob ich dazu kommen werde, neue Songs für mein nächstes Album zu schreiben, aber ich will mich auch nicht stressen, ich mach ja keine Fliessbandarbeit! Ich fang´ erst dann an, wenn ich inspiriert bin und merke, o.k. jetzt kribbelts wieder, jetzt muss was neues her.

ASV: 5 Orte auf einer Weltreise – wo machst du Halt und warum?

Ruth: Neuseeland, da will ich einfach mal hin, es muss unglaublich schön sein.
Dann würd ich noch gerne in die endlose Einöde der Mongolei reisen, das muss sehr beeindruckend sein, ich glaube da kommt man wieder zu sich selbst und kann sich auf’s Wesentliche zurückbesinnen.
Californien und New York, kaum zu glauben, aber ich war noch nie in Amerika- es wird Zeit!

ASV: 5 Dinge die in einem Kühlschrank nicht fehlen dürfen…

Ruth: Espresso, Nagelllack (der ist  bei mir immer im Kühlschrank!), Sojamilch Vanille, danach bin ich süchtig !

ASV: 5 Dinge, die du an Berlin liebst…

Ruth: Currywurst, Kreuzberg, die U1, den Berliner Bär, spätes Frühstück!

ASV: Wo treffen wir dich  in 10 Jahren?

Ruth: In meiner Villa am Wannsee, während ich mit meiner Familie und meinen Freunden ein großes Grillfest vorbereite, kurz nachdem ich von einer Welttournee nach Hause gekommen bin!!!

ASV: Wen würdest du gerne bei Faces N’ Spaces sehen?

Ruth: Marteria, ich kenn seine Bude schon und finde das sollte allen anderen nicht vorenthalten bleiben…

Fotos: Robert Wunsch

Text: Nike van Dinther

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