Faces & Spaces mit tadiROCK

Nicht alles was glitzert, ist ‚Glamour’. Im Fall von tadiROCK jedoch schon. Sie ist die Begründerin der Glitterart. Verglittert und verglamourt Objekte und Bildmotive, in vorwiegender Anwendung von Swarovski Steinen. Und mit allem anderen was glitzert und glänzt. Ihr Markenzeichen ist die Discokugel. Ihre Motivation: die Kunst als schöpferische Energie. Dabei ist ihr Vorbild eine Mischung aus Che Guevara und dem Dalai Lama und sie selber so wenig oberflächlich wie aller blendender Glanz. Auf kreativen Pfaden schöpferisch unterwegs, als rebellische Glamour-Buddhisten. Glamour für die Schönheit und die Provokation. Unter dem Slogan „Everybody Loves Bling“.
Bevor tadiROCK geboren wurde, hieß diese noch Tatjana Stein und hat auf der anderen Seite der Kunst, als Managerin gearbeitet. In den 90ern, gerät sie in den damals noch wilderen Strudel der Musikbranche. Macht sich Anfang der 2000er mit der Agentur che*che als PR-Beraterin selbstständig, welche sie später zusammen mit Nico Zeh in che*che music umwidmet und heute noch in gemeinschaftlicher Arbeit führt. Mit schon immer großer Aufmerksamkeit gegenüber allem, was glitzert und glänzt, wird sie 2005 schließlich selber künstlerisch tätig.
Dabei zieht sie Inspiration aus der ihr vertrauten, oberflächlichen, vermeintlich glitzernden Welt des Entertainments. Und verwendet deren symbolische Materialien, wie Swarovskis, Strass, Glitzer, Lacke, Federn, Blattgold oder auch Ketten. Verfremdet werden in erster Linie Bilder, Gemälde oder Fotografien, Portraits der Ikonen unserer Zeit, wie Popstars oder Filmschauspieler. Ähnlich großer Pop-Artists bearbeitet sie die Oberfläche der Bilder und schafft so eine Verbindung zwischen der schon bestehenden Kunst und moderner Wirklichkeit. Die derart einzigartigen Werke tadiROCK’s finden sich Galerien, wie gleichermaßen in ausgewählten Shops sowie den Flagshipstores von Swarovski in Tokio, Singapur und London.
Im vergangenen Jahr verwirklicht tadiROCK ihre Vision eines Open Space für Künstler und Kreative. Ein Ort, der diese und vor allem ihre Kreativität zusammenbringt. Anfang diesen Jahres feierte die Kreativplattform MADE schließlich Eröffnung, mitten in Berlin am Alexanderplatz.
Wir haben tadiROCK zu Hause besucht, zu Inspektion und Interview. Welche Träume es noch zu verwirklichen gibt und wie hoch der Glamourfaktor in der Künstlerin Wohnung ist: all’ das und wie immer noch mehr, nach dem Jump…
Was machst du als Erstes, wenn du morgens aufstehst?
In den Spiegel schauen und mir selbst einen tollen Tag wünschen.
Wie bist du nach Berlin gekommen und über welche Umwege?
Ich komme ursprünglich aus Hamburg und bin aufgrund des Doppelpacks ‚Liebe und Job’ nach Frankfurt gezogen. Irgendwann nach zwei Jahre bekam ich so eine große Sehnsucht weiterzuziehen, aber Nico wollte Frankfurt nicht verlassen. Zum Glück hat uns das Schicksal dann doch noch nach Berlin katapultiert, als unsere Wohnung komplett ausbrannte. Wir haben in einer Nacht alles verloren, aber auch gewonnen. Wie frei man sich doch fühlen kann, wenn man nichts mehr besitzt – und gut versichert war. Wir haben uns für Berlin entschieden, weil sich Berlin nach Frankfurt so unendlich groß und aufregend anfühlte. Es war die richtige Entscheidung.
Welche beruflichen Stationen hast du hinter dir und was machst du gerade im Leben?
Ich habe in unterschiedlichen Bereichen gearbeitet und Erfahrungen gesammelt, bevor ich in den 90ern in die Musikbranche „gerutscht“ bin. Ich bin dankbar, dass ich diese wirklich besondere High-Time der Branche miterleben und gestalten durfte. Das waren Rock’n’Roll Zeiten, als es der Branche noch richtig gut ging– einfach nicht zu vergleichen mit der heutigen. Ich habe mit einer Menge tollster nationaler (Rammstein, Phillip Boa, Element Of Crime) und internationaler (GunsNRoses, Nirvana, Faith No More. Eagles) Künstler gearbeitet. Große und nicht so große. Die Indiebands waren mir dabei immer die liebsten (I loved Urge Overkill & Think About Mutation).
2002 habe ich mich als PR Beraterin mit der Agentur che*che images selbstständig gemacht. Später haben Nico und ich den Namen umfirmiert in che*che music, Agentur für Künstlermanagement und Markenberatung. Diese führe ich bis heute gemeinsam mit Nico Zeh. Zudem haben wir eine Verlagsedition bei Emi Music Publishing.
Meine künstlerische Tätigkeit begann 2005 und Anfang diesen Jahres feierten wir die Eröffnung der Kreativplattform MADE am Alexanderplatz.
Wie kam „MADE“ zustande und was war dein Beweggrund für solch einen Space?
Ich wollte einen Ort für Kreative schaffen, an welchem Ideen und Visionen realisiert werden können.
Es ist für Künstler nicht immer einfach, ihre Kunst den richtigen Leuten und an den richtigen Orten zu präsentieren. Das war am Anfang auch mein Problem. Dann sah ich durch Zufall den Film „Silver Factory“ (Andy Warhol), der mich auf Anhieb wahnsinnig inspiriert hat, es war wie eine Initialzündung. Ich wollte unbedingt auch so einen Ort schaffen, wo sich Kreative treffen, austauschen und arbeiten.
Ich war mir zudem sicher, dass es nicht nur mir so ging, sondern auch einer Menge anderen Künstlern hier in Berlin und so fing ich an, das Konzept auf Papier zu bringen. Über unsere Agentur che*che music hatten wir ja all die Kontakte zu Marken und mit ABSOLUT VODKA haben wir den perfekten Partner gefunden. Es dauerte allerdings noch mal eineinhalb Jahre bis zur vollständigen Entwicklung dieser Plattform.
In jedem Menschen steckt Kreativität. Deshalb sehen wir das Umfeld der Menschen, mit denen wir arbeiten, auch breit. Vom Architekten, Fotografen, Koch, Designer, Maler bis zum Chemiker ist alles möglich. Wir möchten diese Menschen inspirieren und motivieren, ihre Träume und Visionen umzusetzen. Sich aus ihrem bisherigen Handwerk herauszubewegen, weiterzugehen, sich weiterzuentwickeln und neue Disziplinen und Ausdrucksformen Ihrer Kreativität zu entdecken und auszuprobieren. MADE ist eine Kreativplattform, aber auch Atelier, Werkstatt, Wohnzimmer und Galerie. Ein Kreativlabor für Experimente.
Du hast dich der Kunst verschrieben. Was schöpfst du aus diesem kreativen Prozess?
Ich liebe alles was glittert und glitzert. Ich muss im früheren Leben mal eine Elster gewesen sein. Alles was blinkt, gewinnt meine Aufmerksamkeit. Ich veredel Bilder und Gegenstände vorwiegend mit Swarovskisteinen, arbeite aber auch viel mit Glitzer, Lacken und Diskokugeleffekten.
Zu Beginn ging es mir eher um das Hervorheben des Motivs, die Schönheit der Bilder. Die Effekte auf den Bildern geben dem ganzen eine Tiefe und Strahlkraft und einen 3D Effekt. Der Prozess ist sehr zeitaufwendig und man muss eine Menge Geduld aufbringen, jeden einzelnen Stein mit der Hand zu positionieren. Während des Bearbeitens bin ich sehr konzentriert, sinke in das Bild hinein. In diesen Momenten spüre ich pure Entspanntheit und Gelassenheit. Wertvolle Dinge in der heutigen Zeit.
Meine neuen Arbeiten provozieren, schaffen eine Aussage, das Bild oder der provokante Gegenstand wird nicht nur seiner Schönheit überlassen. Als ich kürzlich einen Baseballschläger komplett verglittert habe, konnte kein einziger Besucher die Hände von dem Schläger lassen, jeder musste ihn einmal anfassen.
Der Schläger, der ja ein Sportgerät ist, suggeriert bei den meisten erst einmal Gewalt, durch die Swarovskisteine verändert sich wiederum die Sichtweise: Schönheit und Gewalt treffen aufeinander. Ich habe dem ganzen den Namen „Ästhetik der Gewalt“ gegeben.
Zusammengefasst: Ich produziere etwas und schöpfe daraus Energie.
Wie ist es bei „MADE“ mal auf der anderen Seite zu stehen, nicht der zu sein, der künstlerisch tätig ist, sondern selbst Künstler zu kuratieren und nach welchen Kriterien gehst du da vor?
Durch meine jahrelange Management-Tätigkeit stand ich eigentlich vorher schon „auf der anderen Seite“. Ich habe mich sehr gern um die Belange und Entwicklung der Künstler gekümmert, habe aber dadurch meine eigenen Bedürfnisse total nach hinten gestellt.
Im MADE ist es eher vorteilhaft, dass ich Künstlerin bin, man wird schneller „warm“ mit den anderen Kreativen, man fühlt keine Grenze, man versteht den anderen, auch wenn die Idee noch so schräg ist.
Doch ich gestehe, dass die 20 Jahre, die ich im Angestelltenverhältnis gelebt habe, mich stark geprägt haben. Für mich persönlich eine perfekte Mischung, das MADE bzw. die Kreativen zu kuratieren und zu begleiten und das Künstlerische mit einzubringen.
Es gibt zwar Kriterien, aber es kommt immer auf das jeweilige Projekt an. Und natürlich auf die Künstler/Kreativen. Der Kerngedanke von MADE ist das Zusammenwirken von mindestens zwei unterschiedlichen Kreativen – sei es ein Architekt, Landschaftsgärtner, Designer, Koch, Physiker oder Illustrator – die sich aus ihrem gewohnten Umfeld lösen und sich von anderen Disziplinen inspirieren lassen, um Neuartiges zu schaffen.
Es entstehen Teams, die auf diese Weise noch nie zusammengearbeitet haben, sich gegenseitig im kreativen Prozess inspirieren, um eine gemeinsame Vision zu realisieren.
Grundsätzlich suchen wir die Projekte aus, die eine starke Vision und Aussage haben. Und wenn möglich Sachen, die es so noch nie gab.
Wer oder was inspiriert dich?
An erster Stelle: Menschen!
Menschen mit Visionen, Werten, Glauben, Träumen. Die, die was zu sagen haben, die mit eigener Meinung.
Tiefe Gefühle erwecken wahre Feuerwerke der Inspiration in mir.
Das Leben an sich. Jeden Tag gibt es Wunder, kleine und große und insbesondere die „magic moments“. Das sind wahre Quellen der Inspiration, wenn man die Augen aufhält.
Und Reisen nicht zu vergessen, aber da ist glaube ich jeder inspiriert.
Was war dein größter Kindheitstraum und ist er in Erfüllung gegangen?
Der Prinz auf dem weißen Schimmel.
Prinzen kamen, der weiße Schimmel war aber nie dabei.
Ich wollte auch immer KEN, den Mann von Barbie, kennenlernen.
Ich war auch nach Jahren noch in meine Jugendliebe verliebt. Ich schrieb ihm jedes Jahr eine Geburtstagskarte – einfach so. Nach 12 Jahren trafen wir uns dann plötzlich wieder und heirateten innerhalb von 6 Wochen in Las Vegas. Ich mag solche Erlebnisse sehr.
5 Menschen, die du bewunderst?
The crazy ones. The misfits. The rebels. The troublemakers.
His Holiness The Dalai Lama.
Was stimmt dich täglich aufs Neue glücklich?
Wenn ich jeden Tag einen Grund habe zu Lachen.
Mein Vater hat immer gesagt, wer jeden Tag 10 Minuten lacht, lebt länger und glücklicher.
Ein Lächeln eines anderen Menschen.
Zu lieben und geliebt zu werden (ich bin verliebt).
Aber auch wenn mein Hund Che glücklich ist, bin ich glücklich.
Der Fahrtwind beim Rollerfahren während einer Sommernacht……
Wofür lohnt es sich zu kämpfen?
Für einen Traum den man hat, auch wenn er noch so verrückt klingt.
So war das auch bei MADE.
Offenbar uns doch bitte deine sympathischste Marrote?
Ich spreche sehr gern Lob aus und unterstreiche die Qualitäten des Gegenüber, allerdings immer sehr direkt und unvorbereitet. Manche denken, dass ich das ironisch meine, weil man ja heutzutage eher Negatives als Positives anspricht.
Was ist deine beste Eigenschaft?
Ich bin eine gute Zuhörerin. Das geht soweit, dass mir Menschen, auch völlig Unbekannte, nach ca. 15 Minuten ihr ganzes Leben erzählen. Ich mag das.
5 Dinge, die in einem Kühlschrank nicht fehlen dürfen…
Champagner / Milch / Caprisonne
Nordseekrabben (immer! ich bin halt aus dem Norden)
Pfannkuchen & Apfelmus
La Mer Crème
5 Orte auf einer Weltreise – wo machst du Halt und warum?
LOS ANGELES – die Stadt ist purer Rock ‘n’ Roll
PERU/Machu Picchu – die Stadt des Friedens, eine der größten Geheimnisse auf der Welt Ein magischer Ort in den Wolken/Das größte Energiefeld, sozusagen der Solarplexus der Erde
HIMALAYA (das Dach der Welt) - Zu den buddhistischen Königreichen Sikkin und Bhutan – erhaben und machtvoll, Orte der Stille und Meditation, Schönheit und des Gebets.
CHILE – Kein Land vereint so viele Gegensätze in sich wie Chile. Das liegt nicht nur an den verschiedenen Klimazonen, sondern auch an der Faszination der Städte und Metropolen. Kein Land in Südamerika wirkt so europäisch und doch so südamerikanisch wie Chile. Ich möchte da unbedingt mal leben…
An jedem Meer/Ozean & auf jedem Berg dieser Welt
Wo treffen wir dich in 10 Jahren?
Isla Pico, zweitgrößte Vulkan-Insel der Azoren – sozusagen am Ende der Welt
oder Isla Mocha/Chile – unberührt und auch am Ende der Welt.
Ich hoffe, dass ich in den 10 Jahren auch weiterhin:
- genug Fehler gemacht habe, aus denen ich gelernt habe.
- ein bisschen verrückter gewesen bin und viele Dinge nicht so Ernst genommen habe
- Risiken eingegangen bin und mehr gute Augenblicke gelebt habe
Mein Traum: Als Schriftstellerin in Chile leben
Wen würdest du gerne bei Faces N’ Spaces sehen?
Alexis Dornier, Architekt (Alexis ist einfach nur toll!)
Fotos: Robert Wunsch
Text: Katrein Baumeister
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sehr schöne frau! und tolles interview…
THX!
TOLL!!!!!
wie schön das zu lesen…
so eine schöne und starke und tolle frau, mit der man wunderbar lachen kann…und das auch noch jeden tag aufs neue.
so jetzt reichts aber
“Tadi Rock” rockt…!!! Good one…
Na endlich mal ne erwachsene gestandene Frau hier! I like.
“rebellische Glamour-Buddhistin”
THAT`S WASSUP!
…spread your wings miss rock!
Tolle Frau! Toller Artikel!!!! Ei Laik sehr!
[...] tadiRock had an interesting interview with the nice fellows over at artschoolvets a couple of months ago where she not just talked about her projects but gave an intersting look [...]