Kuckucksuhren & Neon-Kreuze: Stefan Strumbels Werkschau in der Alten Münze


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Kuckucksuhren, Kruzifixe, Marien, immer wieder begleitet von dem Wort “Heimat” in den unterschiedlichsten Kontexten – dass Stefan Strumbel  aus dem Schwarzwald kommt, überrascht bei diesen Elementen, die für seine Kunstwerke so essentiell sind, gar nicht mehr. Ihre individuelle Umsetzung, von der Strumbel seit Samstag eine Auswahl im temporären Space der Circleculture Gallery in der Alten Münze zeigt, jedoch umso mehr: Seine Uhren werden zwar noch traditionell handgeschnitzt, doch tauschen sie ihr Farbenkleid von Holztönen in rosa- und lilafarbene, schwarze oder andere bunte Lackierungen, werden um Totenköpfe erweitert, erhalten Flügel, die wie der Rest der Uhren zu zerfließen scheinen, und wir lesen darauf erneut: “What the fuck is Heimat?”

Kurzum: Aus einem altmodischen bis nostalgischen Stück Kultur und Kult aus den Tiefen des Schwarzwaldes wird ein Pop-Werk – und ein begriffsaktualisiertes Stück Heimat?

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Statt der ursprünglichen Heimatsymbole, die die bekannte Kuckucksuhr zieren, provozieren hier nämlich Thematiken, die in unserer heutigen Gesellschaft oftmals weitaus präsenter sind: Gewalt, Pornografie und Tod.

Ähnlich wie die Uhr als funktionales Symbol für seine Heimat greift Stefan Strumbel weitere Elemente in seinen Arbeiten auf, die mit seiner Herkunft spielen, einen Wertewandel deklarieren und über ihre Entkontextualsierung, ihre Überführung in die Welt der Massenkultur und deren visuelle Erscheinungsformen den Gemeingütern des Südens ihre Ernsthaftigkeit nehmen.

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So findet auch die (katholische) Kirche ihren Eingang in Stefan Strumbels Werkschau, wenn er Kruzifixe bunt bemalt, mit Neonlichtern wie Bar-Namen oder Werbeschriftzüge zum Leuchten bringt und optisch variiert oder etwa einen Beichtstuhl in den Räumlichkeiten der Alten Münze platziert.

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Neben seinen Bildern, die die charakteristischen Ornamenten und Ausrufe auf das Papier- oder Leinwandformat bringen, zieht eine andere Arbeit allein seiner Situaierung wegen schon die Aufmerksamkeit auf sich, entpuppt sich aber schnell als das gleichzeitig persönlichste Werk der ganzen Schau: Ein Eber dominiert auf einem hohen Podest den Gang, vor ihm sein schlafendes Ferkel, das zwar rot leuchtet, doch offensichtlich der schutzbedürftigste Teil der Installation und gleichzeitg Sinnbild für den tatsächlichen Stolz Stefan Strumbels auf seinen noch jungen Sohn ist.

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Stefan Strumbel: Werkschau, 11. bis 30. Februar 2012, 18 bis 22 Uhr, Circleculture Gallery at Pret A Diner, Alte Münze, Am Krögel 2, Berlin.

2 comments on “Kuckucksuhren & Neon-Kreuze: Stefan Strumbels Werkschau in der Alten Münze

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