Rollenspiele in der Retrospektive: Cindy Sherman im MoMA


Die Verkleidungskünstlerin Cindy Sherman wechselt seit nunmehr etwa dreißig Jahren ihre Rollen vor der Kamera, ist Fotografin und Modell zugleich und behandelt dabei Fragen der Weiblichkeit und ihrer Präsentation, Stereotypen sowie Körperlichkeit mit einer spielerischen Ironie, wie wir sie von nur wenigen Künstlerinnen kennen. “She’s good enough to be a real actress”, sagte Andy Warhol einst über sie und so verhält es sich auch mit ihren Arbeiten: Mit ihren Selbstporträts ist sie berühmt geworden, doch lichtet Sherman dabei nie tatsächlich sich selbst ab. In einer Retrospektive zeigt das Museum of Modern Art (MoMA) seit dem 26. Februar 171 Schlüsselfotografien aus den frühen siebziger Jahren bis heute, um einen umfassenden Überblick über das Werk Cindy Shermans zu geben.

Zu sehen, sind etwa die komplette Serie „Untitled Film Stills“, die stereotype Frauenrollen in den Filmen aus Hollywood, des Film Noir und europäischer Art-House-Filme der fünfziger und sechziger Jahre nachempfinden, ihre Historienporträts, die Reihe „Clowns“, ihre aktuellen Wandbilder und die bedeutendsten Beispiele ihrer anderen Schaffensphasen.

Ihre Beschäftigung mit Kino und Performance, Horror und Groteskem, Mythen und Märchen, Gender- und Klassenidentitäten haben Cindy Sherman neben ihren abwechslungsreichen Rollenspielen aber auch immer wieder zu Prothesen, anatomischen Modellen, Schaufensterpuppen, verrotteten Nahrungsmittel, Körperausscheidungen oder Abfall greifen lassen. Ihre grotesken Studien des Verfalls oder der Sexualität präsentiert das MoMA mit Serien wie „Disasters“ und „Sex Pictures“.

Mit der Auswahl versammelt das MoMA noch bis zum 11. Juni die wichtigsten Aspekte und Serien einer der wichtigsten Künstlerinnen unserer Zeit. Nie sollte man sich dabei hinreißen lassen, die Künstlerin in der Fünfziger-Jahre-Hausfrau oder Filmprotagonistin derselben Zeit, in der selbstbewussten Businessfrau, in den historischen Darstellungen, der alternden Gattin oder jungen Träumerin wiederfinden zu wollen, auch wenn die Spannung zwischen Körper und Verkleidung stets dazu verleitet. Nicht Cindy Sherman selbst ist es, die sie in der Erscheinung zuspitzt, sondern stets die Aufforderung, auf die eigene Person zu blicken:

Ich muß mir bei der Vorbereitung jeder einzelnen Figur darüber im klaren sein, wogegen ich angehe; daß die Leute nämlich unter dem Make-Up und den Perücken nach jenem gewissen gemeinsamen Nenner suchen werden, nach dem Erkennbaren. Ich versuche andere dazu zu bringen, etwas von sich selbst wiederzuerkennen anstatt von mir (Cindy Sherman).

Mehr über die Ausstellung könnt ihr bei Stylemag lesen.

„Cindy Sherman“, 26. Februar bis 11. Juni 2012, Museum of Modern Art, New York.

Bilder: 1. Cindy Sherman. Untitled #424. 2004. Chromogenic color print, 53 3/4 x 54 3/4″ (136.5 x 139.1 cm). Courtesy the artist and Metro Pictures, New York © 2012 Cindy Sherman
2. Cindy Sherman. Untitled #466. 2008. Chromogenic color print, 8′ 6″ x 70″ (259.1 x 177.8 cm). The Museum of Modern Art, New York. Acquired through the generosity of Robert B. Menschel in honor of Jerry I. Speyer. © 2012 Cindy Sherman 
3. Cindy Sherman. Untitled #96. 1981. Chromogenic color print, 24 x 47 15/16″ (61 x 121.9 cm). The Museum of Modern Art, New York. Gift of Carl D. Lobell © 2012 Cindy Sherman
4. Cindy Sherman. Untitled #183. 1988. Chromogenic color print, 38 x 22 3/4″ (96.5 x 57.8 cm). Courtesy the artist and Metro Pictures, New York © 2012 Cindy Sherman
5. Cindy Sherman. Untitled Film Still #6. 1977. Gelatin silver print, 9 7/16 x 6 1/2″ (24 x 16.5 cm). The Museum of Modern Art, New York. Acquired through the generosity of Jo Carole and Ronald S. Lauder in memory of Eugene M. Schwartz © 2012 Cindy Sherman

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Kategorien: Art, Events, Photography