Faces & Spaces: Zu Besuch bei MYKITA


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“Handmade in Berlin” – das ist nicht nur der Titel einer selbsterklärenden Serie der Abendschau im rbb, die sich auf die Suche nach modernem Handwerk mit Zeitgeist macht, sondern auch das Aushängeschild eines Berliner Unternehmens, das 2003 im Kleinen begann und sich heute, neun Jahre nach der Gründung, auch international mit einer immer größeren Fanschaft rühmen kann: MYKITA – was sich nach asiatischen Wurzeln anhört, verweist in Wirklichkeit mit einem Wortspiel auf die Ursprünge der Marke, denn das erste Firmengebäude befand sich in einer ehemaligen Kindertagesstätte, kurz: KITA. Das Prinzip hinter MYKITA ist ebenso einfach wie überzeugend: Qualität, Innovation und Stil aus Berlin – Brillen der Extraklasse eben. Daran arbeiten in einer überraschend kleinen Manufaktur eine Gruppe aus Freunden und Bekannten der Gründer Harald Gottschling, Daniel Haffmans, Philipp Haffmans und Moritz Krüger.

Jeder Kurz- oder Weitsichtige kennt dieses Problem: Kontaktlinsen sind nicht immer praktisch, aber die richtige Brille zu finden, die nicht jedes zweite Gesicht ziert und dem Selbst entspricht, das kann zum Problem werden. Die Lösung ist bei MYKITA gefunden, denn von exzentrisch-individuellen bis zur schlicht-alltagstauglichen Brille findet man hier alles. Formvollendung und Funktionalität gehen hier eine Symbiose ein, die auch schon Avantgard-Designer wie Bernhard Willhelm, Romain Kremer, Marios Schwab oder Alexandre Herchcovitch überzeugte und zu internationalen Kollaborationen führte.

Was dabei im familiären Betrieb gefertigt wird, erfreut sich nicht nur wegen seiner handwerklichen Qualität großer Beliebtheit, sondern weil hier das Bewusstsein für Herstellung auf Designgefühl und den unstillbaren Drang nach immer wieder neuen technischen Innovationen trifft und alles gleichwertig nebeneinander steht. So hat sich MYKITA unlängst einen Namen mit ihren neuartigen, patentierten Gelenkkonzepten oder etwa ihrem neuentwickelten Material Mylon gemacht.

In der MYKITA Manufaktur im Herzen Berlins finden dabei alle Schritte unter einem Dach statt: Entwicklung, Produktion und Marketing. Wir durften MYKITA dort besuchen und die beiden Gründer Moritz Krüger (CEO & Creative Director) sowie Philipp Haffmans (Design Director) zu der Entstehung, Arbeit und Visonen befragen. Das ganze Interview und die Bilder von unserem “Fabrikbesuch” findet ihr nach dem Jump.

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1. Wie seid ihr dazu gekommen, euch mit Brillen zu beschäftigen?

Wir haben MYKITA 2003 in Berlin gegründet, um unsere Idee einer neuartigen Brille aus leichtem Edelstahl umzusetzen. Während des Studiums und bis heute interessiert uns das Thema “aus der Fläche zum dreidimensionalen Objekt”, das schließlich zu einer Brille führte, die nach diesem Prinzip konstruiert wurde. Das vordere Ende des Bügels wird dabei zu einer Art Spirale eingerollt, die in die Brillenfront eingehängt wird. Sämtliche Bestandteile der Brille werden aus der Fläche entwickelt und, ähnlich dem japanischen Prinzip des Origami, erst durch Biegen und Falten zum dreidimensionalen Objekt.

2. Wie läuft bei euch der Designprozess ab und wie hat sich dieser in den letzten Jahren entwickelt?

Jede neue Kollektion komplettiert und erneuert die vorherige. Bevor es in die engere Auswahl der Modelle geht, gibt es eine freie Designphase, in der das Designteam verschiedene Vorschläge einbringt. In diesen, teilweise jenseits des Massengeschmacks liegenden Ideen, finden sich Elemente, die später “eingekocht” werden, und schlussendlich zum Produkt reifen. Das geschieht mit einer großen Menge von Prototypen (pro Saison bis zu 400 Stück), die wie ein guter Wein eine Zeit lang für alle sichtbar im Regal liegen. Dann wird diskutiert und ausgelesen. Es ist ein dynamischer Prozess, vergleichbar mit der Arbeit an einem großen Garten, der jede Saison ein neues, stimmiges Gesamtbild ergeben muss.

3. Woher nehmt ihr Ideen für neue Brillendesigns? Was inspiriert euch derzeit?

Jeder im Team hat seine eigenen Vorlieben und Quellen, denen er/sie sich bedient. Manchmal liegen Ideen in der Luft und zufälligerweise machen zwei Leute das Gleiche. Der Ursprung zu einer Idee ist vielfältig. Mal ist es ein Film, den man gesehen hat, eine Zeitschrift, in der man blättert oder ein Roman, den man gerade gelesen hat. Oder der Ansatz kann auch ganz pragmatisch sein, indem man sich vornimmt, eine Brille für große Köpfe zu machen.

4. Welche Tendenz gibt es im derzeitigen Brillendesign? In welche Richtung geht der Trend?

Das wollen natürlich immer alle wissen. Deutlich ist, dass im Vergleich zu früher das Brillenglas tiefer geworden ist. Das heißt man nimmt für einen Look in Kauf, dass ein Gestell auch mal die Wangenknochen berühren darf: Weniger Pragmatismus und mehr modisches Wagnis. Eine schöne Entwicklung aus der Perspektive des Gestalters.

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5. MYKITA ist für eine individuelle Fertigungsweise bekannt, die bei den Brillen auf eine klassische Bauweise mit Schrauben und Lötstellen verzichtet. Was war der Ausgangspunkt hinter diesem Konzept?

Unser Ausgangspunkt beim Entwerfen von Brillen ist die Liebe zu einfachen, soliden Konstruktionsprinzipien. Zugleich versuchen wir immer, dem Charakter des Materials gerecht zu werden. Unser Konzept kehrt die bisher gewohnten Standards bei der Gestaltung von Brillen um: Nicht der Rahmen fasst das Glas, sondern das Glas gibt dem filigranen Gestell seinen Halt. Diese offen zur Schau gestellte Technik ist ein grundlegender Gestaltungsansatz von MYKITA: Die technische Lösung muss auch immer zugleich eine ästhetische sein.

6. Der Erfolg MYKITAs wird wohl auch in naher Zukunft nicht abebben. Ist bei einem zunehmenden Wachstum der Firma das Prinzip „handmade in berlin“ aufrechtzuerhalten oder wird man irgendwann maschineller fertigen müssen?

Wir versuchen, mit MYKITA ein ganzheitliches Modell zu leben, dabei geht es natürlich um die Brillen, aber auch um viele andere Aspekte. MYKITA könnte man als klassischen Familienbetrieb bezeichnen. Unsere Mitarbeiter rekrutieren sich zu einem großen Teil aus unserem Freundes- und Bekanntenkreis oder wiederum aus deren sozialen Umfeld. Und diese Geisteshaltung spiegelt sich letztendlich auch in unseren Produkten wider.

Wir verstehen uns als moderne Manufaktur für das 21. Jahrhundert. Die Handarbeit ist dabei fester Bestandteil und wird es immer bleiben. Wo es nötig ist, wie zum Beispiel bei der Entwicklung unserer MYKITA MYLON Kollektion, trifft Handarbeit auf High Tech.

7. Was ist derzeit die neueste Innovation von MYKITA?

Unser nach langer Forschung entwickeltes Material MYLON. Es ist ein extrem leichter, flexibler und individuell anpassbarer Werkstoff, der auf Polyamid basiert und zum ersten Mal für die Herstellung von Brillen verwendet wird. Bislang wurde diese Art von Material hauptsächlich im Prototypenbau eingesetzt. Wir haben das Material weiterentwickelt und die ursprünglich raue Oberfläche in mehreren Schritten veredelt, was die Brillen optisch und haptisch einzigartig macht. Hintergedanke der ersten MYKITA MYLON Kollektion ist, ein neues Produktsegment im Brillenmarkt zu begründen: Luxury Sportsfashion. Brillen, die die Grenzen zwischen Mode und Sport überwinden. Speziell für diese Kollektion haben wir auch mit Zeiss Golfgläser entwickelt, die für eine Erhöhung der Farbkontraste sorgen und Polarisationsgläser, die Reflexionen ausblenden und Wasser sofort abperlen lassen.

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8. Könntet ihr euch vorstellen, auch im Kinderbrillen-Segment tätig zu werden?

Ja, durchaus. Das steht irgendwo auf der Liste. 

9. Wie viele MYKITA Brillengestelle finden wir bei euch zu Hause?

Nicht so viele wie gemeinhin angenommen wird. Jeder von uns hat seine Vorlieben für bestimmte Looks. Dementsprechend finden sich bei jedem Variationen bestimmter Gattungen in den Schubladen.

10. Was sind eure Ziele für 2012?

Bei gleichzeitigem Wachstum den Geist der Familienmanufaktur zu erhalten.

Vielen Dank für das Gespräch!

Die MYKITA-Brillen sind mittlerweile übrigens in über 60 Ländern erhältlich – davon sechs Mal in eigenen Shops. Letztere sind vor allem für ihre besondere Gestaltung bekannt, denn in den Geschäften in Berlin, Wien, Zürich, Paris, Monterrey und Tokyo bekommt mit der “MYKITA Wall” jedes einzelne Modell seine eigene kleine Bühne.

Text: Teresa Köster. Fragen: Katrein Baumeister. Fotos: Robert Wunsch.

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