Ausstellung: “Nostalgia for paradise“ Kate Bellm und Edgar Lopez 

16 970x680 Ausstellung: “Nostalgia for paradise“ Kate Bellm und Edgar Lopez 

Lange Reisen können durchaus eine berauschende Erfahrung darstellen – neu gewonnene Eindrücke verdichten sich zu einer wahren Bilderflut im Kopf, fremde Gerüche, Geräusche und schließlich Begegnungen bleiben haften und provozieren gerne mal eine Reizüberflutung, die den Schilderungen des Reiseführers so gar nicht entsprechen will. Vielleicht liest sich die Ausstellung “Nostalgie for Paradise“ die Berliner Fotografin Kate Bellm und ihres Partners Edgar Lopez, die derzeit bei pavlov’s dog präsentiert wird, deshalb mehr wie ein phantastischer Trip in die Gedankenwelten der beiden als eine typische Reisedokumentation. Zwei Jahre waren sie unterwegs und praktizierten das, was Kate Bellm “Kidnapping moments“ nennt – gemeinsam hielten sie besondere Augenblicke mit der Kamera fest und sammelten Gegenstände, die ihre Erfahrungen während der Zeit in der Fremde widerspiegeln. Die Schau vereint nun Kate Bellms außer-alltägliche, oftmals träumerische Fotografien mit einem von Edgar Lopez zusammengesetzten Altar aus übermalten Bildern und den gesammelten Erinnerungsstücken. Die Sehnsucht nach dem Paradiesischen wird beim Anblick der Kunstwerke deutlich spürbar – die teils absurde, surreale Szenerie und die satten Farbverläufe verweisen auf die Suche der beiden Künstler nach absoluter Freiheit und exotischer Schönheit und muten dabei fast wie ein Drogentrip an. Bis zum 26. April besteht noch die Chance, einen Blick auf die Arbeiten zu werfen, in deren Angesicht jede gewöhnliche Geo-Reisereportage verblasst. Immerhin erinnern uns die Künstler daran, dass der Kern jeder Reise nicht das physische, sondern das psychische Erleben ist. 

Joyce Pensatos Joyceland: Die Abgründe des American Dream

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So wie manche Menschen wohl niemals ohne ihren Hund oder ihre Katze in den Urlaub fahren würden, so schleppt die amerikanische Künstlerin Joyce Pensato gerne Kuscheltiere mit sich herum, wenn sie von einer Ausstellung zur Nächsten fliegt. Diese dienen ihr nicht etwa zur Vertreibung eventuell aufkommenden Heimwehs oder als pflegeleichte Reisepartner, sie sind vielmehr Teil ihres künstlerischen Werks, das in den vergangenen Jahren bereits in zahlreichen internationalen Galerien Rezeption erfahren hat. In den Gemälden und Installationen der Künstlerin tauchen all jene Comic-Helden auf, welche die Fantasien der meisten westlich geprägten Kinder und Erwachsenen beflügelt haben dürften. Von Micky Maus über Homer Simpson bis hin zu Batman und der Grinsekatze – sie alle sind dabei, bevölkern Leinwände und Wände oder tummeln sich als abgegriffene Spielzeugfiguren in räumlichen Installationen. Dabei befreit Joyce Pensato die berühmten Charaktere von jeglichem amerikanischen Disneyland-Kitsch und lässt sie mithilfe abstrakter, expressionistischer Elemente und reichlich schwarzem Humor in düsterer Atmosphäre wie groteske Zwillingsbrüder der Cartoon-Idole erscheinen.

Nik Nowak “Echo”: Von der akustischen Besetzung des Raums

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Ausgestattet mit einem 4000 Watt starken Soundsystem ist Nik Nowaks futuristisch anmutender “Panzer“, der bereits zum Berlin Festival und bei der Transmediale im Berghain eine ravende Meute zu elektronischer Musik um sich scharrte, vielmehr als nur ein fahrendes Soundobjekt im brachialen Gewand. Der Künstler, der bis 2012 an der UDK studierte, thematisiert mit seinen Skulpturen und Installation die akustische wie gegenständliche Besetzung von Raum. Im Rahmen seiner Ausstellung “Echo“, die Nik Nowak als Preisträger des GASAG Kunstpreises 2014 ab dem 11. April in der Berlinischen Galerie zeigt, bespielt der Künstler die große Ausstellungshalle des Hauses mit einer neuen Soundinstallation, die den Besucher aktiv einbezieht. Zum Einsatz kommen dabei autonome Roboter-Drohnen, welche die militärische und zunehmend alltägliche Anwendung neuer Technologien reflektieren. Zur Eröffnung der Schau findet am 10. April ab 19 Uhr nach der offiziellen Einführung die Performance “Sirene“ von The Bug (Ninja Tune) in der Installation statt, gefolgt von einem DJ Set von Ultramoodem (Schockglatze).

Ai Weiwei Evidence: Von der Sichtbarkeit des Unfassbaren

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Bis zuletzt gab es ein Fünkchen Hoffnung, doch Ai Weiwei hat zur feierlichen Eröffnung seiner Ausstellung “Evidence“ im Berliner Martin-Gropius-Bau heute Abend keine Ausreisegenehmigung von der chinesischen Regierung erhalten. Und wie diese schlechte Nachricht bereits die heute Vormittag abgehaltene Pressekonferenz überschattete, so ist das drastische Verhalten der chinesischen Regierung gegenüber dem regimekritischen Künstler nicht nur Anlass für einen guten Teil des Medienrummels, der im Vorfeld der Ausstellung stattfand, sondern auch essentieller Bestandteil des neueren künstlerischen Werks, das ab dem 3. April in Berlin zu sehen ist. Auf etwa 3000 qm erstreckt sich die bisher größte Schau des chinesischen Künstlers, die nicht nur Arbeiten präsentiert, die bis dato noch nicht in Deutschland zu sehen waren, sondern auch eigens für die Schau kreierte Werke, wie die raumgreifende Installation “Stools“, welche das Atrium des Martin-Gropius-Baus einnimmt und damit das Herzstück von “Evidence“ bildet.

Wes Lang: “The Studio“ Show & Interview

weslang Wes Lang: “The Studio“ Show & Interview

Rock’n’Roll, Tattoo-Art und “the American way of life“ sind die Angelpunkte, zwischen denen sich die Kunst Wes Langs entfaltet. Wimmelbildartig sind die Arrangements des in Los Angeles lebenden Künstlers, dessen bildliches Vokabular sich aus Vanitas Symbolen, Pin-Up Girls, Biker Motiven und Ikonen der amerikanischen Geschichte zusammensetzt. Erstmals zeigt nun das ARoS Art Museum im dänischen Arhus mit “Studio“ eine Soloausstellung von Wes Lang, die rund 60 Werke umfasst. Titelgebend ist dabei das Studio des Künstlers, das für die Dauer der Ausstellung von LA nach Arhus verlegt wurde. So sind es nicht allein die fertigen Kunstwerke, die den Besucher erwarten, es sind auch die originalen Studiowände, die durch allerhand Farbspuren, aufgepinnte Zeichnungen und Objekte der Inspiration geziert werden und einen Einblick in die Arbeitsprozesse und Einflüsse des Künstlers geben. Während des Aufbaus der Ausstellung entstand zudem ein Video-Interview, in dem Wes Lang sehr persönlich über seine Arbeit als Künstler und über einzelne Werke spricht. Ihr findet es nach dem Jump.